28.08.2010 - Anna Fischer: von Null in die deutsche Spitze
Attendorn. Superlative sollte man sparsam benutzen, doch Anna Fischer ist auf dem besten Wege, die Aufsteigerin des Jahres im Deutschen Frauenradsport zu werden.

Sucht man den Namen im Online-Verzeichnis des Bund Deutscher Radfahrer, findet man ein fast jungfräuliches Profil der Athletin des TV Attendorn vor (im Bild links). Nur drei Einträge gibt es dort, aber die haben es in sich. 20. August: Platz 16 beim Albstadt-Etappenrennen für Frauen, 1. Etappe. 21. August: Platz 4 beim Albstadt-Etappenrennen für Frauen, 2. Etappe. 28. August: Platz 4 bei der Deutschen Bergmeisterschaft in Weilheim. Alles bestens besetzte Bundesligarennen, die sie unter der sportlichen Leitung der Attendornerin Tanja Hennes für das Team „Nutrixxion Lady“ bestreitet.

Von Null direkt in den weiteren Kreis der deutschen Spitze, ein sensationeller Einstieg im Leistungssport. „Sie ist im Verein und in der Bundesliga ein Shootingstar“, ist auch Hennes von den Socken. Nun fragen sich alle: welche Geschichte steckt dahinter? Eine totale Quereinsteigerin ist die gebürtig aus Bochum stammende und in Großbritannien arbeitende Anna Fischer nicht. Immerhin zwei Jahren betrieb die 26-Jährige den Radsport in Großbritannien recht fleißig neben der Arbeit, aber zunächst noch ohne höhere Ambitionen. Die reiften erst in diesem Frühjahr und als Ansprechpartnerin kam ihr die Attendornerin Tanja Hennes in den Sinn, weil diese regelmäßig beim Sparkassengiro in Bochum (Weltcuprennen), also vor ihrer Haustür, große Auftritte hingelegt hatte. Hennes: „Im Mai kam sie auf mich zu, weil ihr größter Traum war, mal den Giro in Bochum zu fahren. Dafür benötigt sie aber ein Team. Sie hat gefragt, ob sie bei uns fahren darf.“

Sie durfte und erhielt eine Lizenz beim TV Attendorn. Und mischt nun gleich die Bundesliga auf, vor allem dank ihrer Qualitäten am Berg. Beim Albstadt-Etappenrennen gewann Fischer das Bergtrikot und bei der Deutschen Bergmeisterschaft im badischen Weilheim schaffte sie den Sprung in die achtköpfige Spitzengruppe, die nach und nach auf fünf Fahrerinnen zusammenschmolz. Für eine Medaille reichte es leider nicht, denn Madeleine Sandig, Stephanie Pohl (beide Equipe Noris Cycling, ehem. Nürnberger) und Luise Keller (HTC Columbia) hatten im Finale die schnelleren Beine. Dennoch: Welche Leistung Fischer da gelungen war, zeigt ein Blick auf die Abgehängten. Zu denen zählten mit Trixi Worrak, Sarah Düster und Claudia Häussler immerhin drei Fahrerinnen aus dem A-Kader der Nationalmannschaft. „Anna ist wirklich unglaublich. Sie hat ein Riesentalent und frisst alle Tipps auf, die wir ihr geben“, freut sich Hennes über ihre jüngste Entdeckung.

Gute Nachrichten aus Weilheim gab es auch vom Attendorner Eigengewächs Jessika Eckhardt. Die Oberelsperin ist wieder im Rennen, biss sich durch und fügte sich nach zwei Monaten gesundheitsbedingter Pause auf Platz 22 bei der Berg-DM der Juniorinnen ein. So leistete auch sie ihren Beitrag zum dritten Platz ihrer Bundesligamannschaft „SRM & Poison“ in der Teamwertung. Ebenfalls erfolgreich war eine weitere der schnellen Attendorner Frauen.

Während sich die Bergflöhe in Weilheim maßen, konnte Anika Werheit, zweite bei den NRW-Meisterschaften in Attendorn, das Paderborner Rundstreckenrennen fast im Alleingang für sich entscheiden. Nach dem ersten Drittel setzte sie sich vom Hauptfeld ab, aus dem nur eine Fahrerin folgen konnte. Dies änderte aber nichts an Werheits Siegeswillen, nachdem sie am Vortag in Dellbrück mit einem vierten Platz knapp das Podium verpasst hatte. Im Sprint ließ sie nichts anbrennen und fuhr den Sieg von vorn sicher nach Hause.

Gute Platzierungen gab es wie gewohnt in der Schülerklasse. Gleich zweimal vorn mit dabei war der Finnentroper Luca Bröcher, der beim Rennen in Herbram Fünfter und in Paderborn Siebter wurde. Aufs Podium schaffte es Julian Rottmann: Platz zwei in Herbram und Rang drei bei einem Rundstreckenrennen in Witten.



Durchgebissen: Jessika Eckhardt ist in der Radbundesliga zurück.



Anika Werheit in Paderborn auf dem Weg zu ihrem ersten Sieg in der Frauenklasse. Dorothee Janke folgt im Schlepptau...



... auf Rang zwei. Dritte wird die Kölnerin Gina Haatz.    Fotos [2]: Robert Timmermann.



Dreikampf in der U13 in Herbram: Robert Deike (RV Edelweiss Mettmann) siegt vor...



... dem Attendorner Julian Rottmann und Luca-Felix Happke.



Und auch am Tag darauf in Witten machen die drei das Podium unter sich aus. Julian und Luca tauschen diesmal die Plätze.



Ebenfalls klasse: Luca Bröcher wurde bei den Rennen Fünfter bzw. Siebter.   Fotos [2]: Robert Timmermann.
 
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