Mit breiter Brust zur Deutschen Meisterschaft: Dominik Ivo nach seinen Erfolgen bei der "Tour of Trakya". Die Rundfahrt am Marmara-Meer war auch landschaftlich reizvoll.
Tekirdağ. Viel hat man in der laufenden Radsport-Saison noch nicht gehört von Dominik Ivo, doch dafür hat das Aushängeschild des TV Attendorn nun mit einem umso lauteren Paukenschlag auf sich aufmerksam gemacht. Bei der viertägigen „Tour of Trakya“ im europäischen Teil der Türkei sammelte der Grevenbrücker erstmals Punkte für die Rangliste des Weltverbandes UCI, qualifizierte sich für die Deutschen Meisterschaften der Elite und setzte sich an die Spitze der NRW-Amateurrangliste. Ein dritter, ein siebter und ein achter Platz waren seine besten Etappenplatzierungen und in der Gesamtwertung fuhr Ivo auf Rang zehn.
Bei der Rundfahrt der Kategorie 2.2 waren vor allem Profis aus Südosteuropa vertreten, unter anderem die Nationalmannschaften der Türkei, Serbien, Bulgarien und Israel. Als einziges Deutsches Team nahm die Amateur-Renngemeinschaft EGN teil, für die Dominik Ivo in der Radbundesliga in die Pedale tritt. Insgesamt waren 80 Fahrer im welligen Gelände und der Hitze von Thrakien am Start. „Es war gut, dass es nicht mehr waren, weil die Straßen teilweise echt bescheiden waren. Die Hauptstraßen waren in Ordnung, aber auf den Nebenstraßen flogen nur Steine hoch. Dafür war das Rennen landschaftlich ein Traum“, erzählte Ivo.
Die Gesamtwertung konnte er wie der Rest seines sechsköpfigen Teams bereits früh abschreiben, weil auf der schweren Auftaktetappe über 161 Kilometer zehn Fahrer mit deutlichem Vorsprung vor dem Feld das Ziel erreichten. Pech hatte Ivo am zweiten Tag (114 Kilometer), als er in einer gerade dem Feld entwischten Fluchtgruppe einen Defekt hatte und zurückfiel, doch als Vierter des Feldes sprintete er am Ende immerhin noch auf Rang sieben.
Der dritte Tagesabschnitt war der, der Rang drei und zwei UCI-Punkte brachte. Dominik Ivo: „Das waren 166 Kilometer auf und ab. Am Ende sind noch 25 Mann vorn übrig. Ich bin erst zugebaut, kann erst spät in den Wind und werde Dritter. Da wäre sogar noch mehr drin gewesen.“ Auch auf der Schlussetappe über 83 Kilometer stellte der 22-Jährige dann erneut seine Endschnelligkeit unter Beweis, gewann den Sprint der ersten großen Gruppe und wurde Achter.
Nun freut sich Ivo auf die anstehenden Aktualisierungen der BDR- und NRW-Ranglisten, für die er 85 Punkte sammelte. Auf einen Schlag mehr, als in der gesamten letzten Saison. Damit wird er auf nationaler Ebene um Platz 50 herum liegen und in der NRW-Rangliste, die nur Amateure aufführt, deutlich an der Spitze stehen. Der größte Lohn für seine tollen Erfolge ist aber die erstmalige Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften der Elite, an der man als Amateur nur durch den Gewinn der Landesverbandsmeisterschaft oder über den Gewinn von UCI-Punkten teilnehmen kann. In Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) darf sich Ivo also am Sonntag in zwei Wochen mit Jens Voigt, Linus Gerdemann und André Greipel messen.
„Da mit den besten Deutschen Fahrern teilnehmen zu dürfen, bedeutet mir schon sehr viel. Gerade, weil es als Amateur sehr schwer ist, sich zu qualifizieren“, sagt Ivo. Seit gut einem Monat fühlt er sich „in guter Form“, konnte seine PS aber erst jetzt auf die Straße bringen, weil er nach einem schweren Sturz beim Bundesligarennen in Cottbus starke Schmerzen hatte. „Da ging dann nicht viel trotz Form. In der Türkei wurde es besser. Das Wetter war meins, ich hatte Selbstvertrauen weil ich mich gut fühlte und dann kann ich auch richtig schnell fahren“, erklärte der Lehramtsstudent, der trotz Leistungssport an der Universität voll im Zeitplan liegt, seinen Leistungsschub.
Der sportliche Zeitplan hat es übrigens auch in sich. Am Sonntag steht die Deutsche Meisterschaft der U23 beim Klassiker „Rund um die Hainleite“ an, am Wochenende darauf die Mainfranken-Tour und dann die „Deutsche“ der Profis. Diese wird er im nicht Trikot seine Renngemeinschaft, sondern in dem des TV Attendorn bestreiten.
Trotz Hitze noch schön begrünt und bei der "Tour of Trakya" gut besucht: Die Innenstadt von Tekirdağ im europäischen Teil der Türkei.
Orange ist nur die Müllabfuhr: Dominik Ivo im Kreise seiner Teamkollegen von der Entsorgungsgemeinschaft Niederrhein (EGN).
Strammes Rennprogramm: Am Wochenende nach der Türkei war Dominik schon wieder in der Bundesliga für NRW im Erzgebirge unterwegs.