
Parchim. Es war nicht der erträumte große Wurf, aber auch
keineswegs eine Enttäuschung. Mit Platz zehn bei der Deutschen
Meisterschaft der Radsport-Jugend erfüllte Jessika Eckhardt vom TV
Attendorn erneut die in sie gesetzten Erwartungen. „Damit kann man
zufrieden sein. Auf diesem Kurs allemal”, ließ Eckhardt gestern
während der Rückfahrt aus dem Mecklenburgischen Parchim am Telefon
verlauten.
Die Bergspezialistin und Deutsche Schülermeisterin von
2007 hatte das Pech, dass der Kurs wie vor Jahresfrist in Unna ein
reines Sprinterparadies, in keinster Weise selektiv und damit einer
Deutschen Straßen-Meisterschaft kaum angemessen war. Ein Hügel mit etwa
20 Höhenmetern, in hiesigen Gefilden spöttisch gern als „Teerblase”
bezeichnet, war der einzige Anstieg auf der drei mal zu absolvierenden
und 20 Kilometer langen Runde.
Die Folge war ein Favoritensterben
sondergleichen. ”Ich habe mit vier anderen Fahrerinnen immer wieder
versucht weg zu fahren. Aber irgendwann haben wir gemerkt: Es bringt
nichts”, schilderte die Oberelsperin den vergeblichen Versuch, den
vorprogrammierten Massensprint doch zu verhindern. Weil die Bedingungen
auf dem flachen und weithin einsehbaren Rundkurs nicht einmal durch
Wind verschärft wurden, rollte das Feld bei Angriffen sofort wieder
zusammen.
So war der Sprint des geschlossenen Fahrerfeldes nach
knapp 60 Kilometern die logische Konsequenz. Die harten Bandagen und
das enge Gedrängel bei Höchstgeschwindigkeit waren jedoch noch nie die
Stärke der, verglichen mit den Sprinterinnen, eher zierlichen
15-jährigen. Hinzu kam, dass sie in ungünstiger Position auf die nur
200 Meter lange Zielgerade ging. Für Ergebniskorrekturen war es da zu
spät. „Ich war mittendrin eingeschlossen, da war keine Lücke mehr zu
finden. Schade, denn ich bin eigentlich in sehr guter Form.”
Doch
auch den Top-Favoritinnen erging es nicht besser. So rollte Jessika nur
wenige Zentimeter hinter Lisa Fischer ein, die bislang bei sämtlichen
Rennen von Bedeutung die Nase vorn hatte. Stattdessen sorgte Lisa Küllmer von der SSG Bensberg für eine faustdicke Überraschung. Ausgerechnet bei der Deutschen Meisterschaft gelang ihr der erste Sieg in einem bundesoffenen Radrennen.
Die erste Überraschung gab es jedoch schon vor dem ersten Rennen. Weil die Polizei am Freitag die Freigabe der Strecke verweigerte, musste der Kurs kurzfristig geändert werden. So gingen die Nachwuchsfahrer ohne Streckenkenntnis ins Rennen.
Positiv bleibt fest zu halten:
Zum dritten mal hintereinander platzierte sich Jessika bei der
Deutschen Straßenmeisterschaft unter den ersten zehn. Ein Kunststück,
dass nicht vielen gelingt. Es bleibt die Hoffnung, dass es
bei der Deutschen Meisterschaft auf der Bahn in zwei Wochen noch besser
läuft. Auch dort gibt es naturgemäß keine Berge. Auch hier geht es
zuweilen ruppig zu. Doch Eckhardt gibt sich kämpferisch: „In der
2000-Meter-Verfolgung und im Punktefahren rechne ich mir was aus.”