09.08.2009 - Bei Simone Berei war nur der Lampen-Akku leer





Attendorn/Duisburg. Mit dem Mountainbike durch den Eiskanal, Straßenrennen trotz Sattelbruch und jährliche Alpenüberquerungen - von Simone Berei, Rad- und Leistungssportlerin im Trikot des TV Attendorn ist man so einiges gewohnt. Mit einer Gesamtleistung von 331 Kilometern auf dem Mountainbike beim 24-Stunden-Rennen im Landschaftspark Duisburg ergänzte die 31-Jährige diese Reihe von Extremleistungen um einen weiteren Punkt. In der Frauenwertung belegte sie damit den dritten Platz, doch was zählt, ist die Herausforderung.

Schon die Vorbereitung für so einen „Tagesausflug” ist spannend. Hast du Regen? Hast du Sonnenschein? Wie kalt wird es Nachts? Dann die Verpflegung: Riegel, Bananen, Äpfel, Laugenstangen, Schokolade, Gels, und für die Nacht viel Cola und Kaffee. Dazu ein Ersatzrad und viel Beleuchtung. „Ich hatte Sachen wie für eine ganze Woche Urlaub mit”, staunte Berei über die Menge des nötigen Equipments.

6,9 Kilometer lang und 70 Höhenmeter schwer war der Rundkurs in Duisburg, der viel Schotter und wenig Teer zum Ausruhen bot. Berühmt ist die Runde für ihr Flair. Sie führt durch eine zum Park umfunktionierte Industriekulisse, über alte Bahntrassen, entlang Blumenbeeten in stillgelegten Kläranlagen, über alte Stahlroste in zehn Metern Höhe und über alte Halden.

30 Runden und zwölf Stunden fast ohne Stop schaffte Simone Berei bis zum Einbruch der Dunkelheit, wo es Zeit war für die erste von drei größeren Essens- und Ruhepausen. Danach ging es mit Licht und viel Cola durch die Nacht.
 
Den Boden hat man vor lauter Staub kaum gesehen, aber wir kannten ja schon jeden Stein und jede Wurzel”, berichtete die Physiotherapeutin. Gegen Morgen war der Akku leer. Der Lampen-Akku wohlgemerkt, nicht der ihre. Dies sorgte für eine Zwangspause von 4 bis 6 Uhr. Simone Berei: „Da habe ich etwas geschlafen. Ein Kaffee hat danach geholfen - eigentlich hatte ich schon gar keine Lust mehr.”

Dennoch ging es weiter: „Zum Ende hin bin ich fast nur noch im Stehen gefahren, konnte nicht mehr sitzen und wusste nicht, welche Glieder ich am meisten spürte. Aber die Super-Stimmung und tausende Zuschauer ließen alles vergessen.”

Bis zum Sonntag legt die Attendornerin noch die Beine hoch, denn das nächste Projekt steht vor der Tür. Mit Freunden will sie von Innsbruck zum Gardasee pedalieren - mit 17.000 Höhenmetern auf 500 Kilometern. Dafür nimmt sie sich aber zehn Tage Zeit, und wird dabei sicher auch an Duisburg zurückdenken. Simone Berei: „Interessant ist es schon, was man so schafft, vor allem über Nacht. Aber ich glaube, sowas mache ich nicht noch mal.”



Die nächtlich illuminierte Industriekulisse des Landschaftspark Duisburg.
 
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