Steinhagen. „Eine kommt durch“ – das berühmte Motto der deutschen Biathlon-Damen galt am Sonntag auch für die Straßen-Radsportler des TV Attendorn bei der Landesverbandsmeisterschaft in Steinhagen. So entschädigte der Triumph von Tanja Hennes im Damenrennen für die geplatzten Medaillenhoffnungen von U23-Fahrer Dominik Ivo und Jugendfahrerin Jessika Eckhardt.

Für Verwunderung sorgte zunächst der Rennkurs, der keinen Meisterschafts-Charakter hatte. Weil auf der tellerflachen und technisch anspruchslosen Strecke erst am Nachmittag der Wind einsetzte, hatten Ausreißer fast keine Chance. So waren die Rennen taktisch geprägt und endeten fast alle im Massensprint eines kaum dezimierten Feldes. Auch die Distanzen übertrafen ein durchschnittliches Rundstreckenrennen kaum. "Man braucht schon einen selektiven Kurs, um richtig Radrennen zu fahren", brachte U23-Fahrer Dominik Ivo die Kritik auf den Punkt.
Im Sprint einer achtköpfigen Spitzengruppe verteidigte Hennes den NRW-Titel mit einer knappen Radlänge Vorsprung und musste im Ziel nach 53 Kilometern erstmal durchatmen. "Das war ein ganz, ganz langer Sprint", so die frühere Profi-Fahrerin, die nach der Re-Amateurisierung bereits den dritten Sieg feierte. Sie hatte für Anika Werheit, ihrer Teamgefährtin in der "Nutrixxion"-Mannschaft, den Sprint angezogen, zog aber dann selber durch, als sie sah, dass Jana Schemmer (RSV Unna) die schnelleren Beine hatte. Bereits an der Entstehung der Spitzengruppe war Hennes maßgeblich beteiligt. "Es sind ständig Attacken gegangen, diese eine war dann erfolgreich", sagte Hennes, die nicht nur viele Glückwunsche, sondern auch viel Lob für den Entwurf der neuen Trikots des TV Attendorn erhielt. Da passte natürlich, dass sie es selbst auf dem Siegerpodest präsentieren durfte.
Einen starken sechsten Platz belegte U23-Bundesliga Dominik Ivo in seinem ersten Rennen im Trikot des TV Attendorn seit 2006. Dennoch hatte der Grevenbrücker im Ziel "einen Hals". Am Ende eines aufgrund organisatorischer Mängel völlig chaotischen Rennens befand sich Ivo in hervorragender Position für den Massensprint. Doch der Sturz eines Fahrers, der auf von Regen und Blütenstaub schmieriger Straße 500 Meter vor dem Ziel wegrutschte, machte Ivo einen Strich durch die Rechnung. Der 21-jährige konnte mit Mühe einen eigenen Sturz verhindern, stand quer auf der Straße und musste fast von Null wieder anfahren. Damit war der Sieg natürlich futsch. Ivo: "Ich bin zwar noch an drei Fahrern vorbeigesprintet, aber ohne den Sturz wäre ich sicher aufs Treppchen gefahren. Das regt mich tierisch auf."

Richtig lange Gesichter machten die mitgereisten Attendorner bei der ersten Durchfahrt der weiblichen Jugend. Das magentafarbene Trikot von Jessika Eckhardt fehlte im Feld und leuchtete erst einige Minuten später im Besenwagen auf. Was war passiert? Die als klare Favoritin ins Rennen gestartete Oberelsperin war bereits mit Christina Koep (Staubwolke Quadrath) der Konkurrenz enteilt und hatte beste Aussichten auf den Sieg, als plötzlich eine Reifenpanne alle Hoffnungen zunichte machte. Begleitfahrzeuge mit Ersatz-Material - Fehlanzeige. Ihr Vater Jürgen Eckhardt konnte die Fortsetzung der Unglücksserie von Jessika, die schon beim Saisonauftakt in Nienburg in Führung liegend nach Defekt die Segel streichen musste, kaum fassen: „Wenn was ist, ist es immer Jessika.“
Viel Zeit sich zu ärgern hat sie allerdings nicht. Schon nächste Woche stehen zwei wichtige BDR-Sichtungsrennen in Sömmerda an.
Im Hauptfeld beendeten unsere beiden Jugendfahrer Christopher Wehmeier und Jonas Sasse das Rennen. Während Christopher nach seiner langen Krankheit im Winter noch um den Anschluss kämpft, war es für Jonas erst das dritte Rennen überhaupt. Einen Platz unter den ersten 30, der zur Teilnahme an der norddeutschen Meisterschaft berechtigt hätte, verpassten die beiden jedoch.
Ihr erstes Rennen im Trikot des TV Attendorn bestritt Annette Rathmann. Die 23-jährige kam in der Frauenklasse mit der zweiten großen Gruppe ins Ziel und war am Ende mit dem 15. Platz zufrieden. Annette, die durch den Kontakt mit Tanja zu uns kam, kommt ursprünglich aus Heidelberg, macht nun in Aachen eine Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau und ist bereits seit neun Jahren im Radsport aktiv.

In ihrem ersten Rennen für den TV Attendorn holte Annette Rathmann in der Frauenklasse Platz 15...

... und gratulierte Tanja, so wie hier Anika Werheit, nach dem Rennen zu ihrem Sieg.

Was diese Geste von Tanja bedeuten soll, weiß ich nicht...

... sie selber fand es jedenfalls zum Schmunzeln...

... und ließ im Schlusssprint der Unnaerin Jana Schemmer keine Chance...

... und bejubelte dann die Titelverteidigung.

Dominik Ivo erntete für das neue Trikot vor Rennbeginn neidische Blicke, ...

... dessen Farbe auch während des Rennens wie immer herausstach...

... doch der nasskalte Regen sowie der Ärger über den chaotischen Zusammenschluss der Junioren- und U23-Felder trübten das Bild. Auch der sechste Platz konnte die Stimmung nicht heben...

... obwohl er damit immer noch besser bedient war als Jessika Eckhardt, die in Führung liegend einen Platten hatte und statt Gold nur den Titel "Pechvogel des Tages" mit nach Hause nahm. Die Vereinskollegen sehen sich hier das verflixte Rad aus der Nähe an.