28.09.2008 - Jörg Pieper gewinnt Berlin-Marathon


Fotos: Markus Schulz (Pressesprecher des TV Kleinwiedenest)
Vielen Dank für die Bereitsstellung der Bilder.


Berlin. „Sieger des Berlin-Marathons“ – welcher Sportler würde sich nicht gerne so bezeichnen? Der Lichtringhauser Jörg Pieper gehört seit Sonntag zu denen, die es können. Der seit 2002 querschnittsgelähmte Radsportler triumphierte bei den Handbikern in der Kategorie B und durfte neben einer neuen persönlichen Bestzeit über den ersten Marathon-Sieg seiner Karriere jubeln. Nach 01:13,48 Stunden, vier Minuten schneller als 2007 und eine Minute vor seiner Bestleistung, überquerte er als elfter die Ziellinie. Vor Pieper, der für den TV Attendorn und den TV Kleinwiedest fährt, lagen aber nur zehn Fahrer der Kategorie C (siehe „Hintergrund“ unten).

„Damit hätte ich nicht gerechnet, da ich mich körperlich und mental gar nicht so gut fühlte. Aber das ist schon genial, es rollte einfach gut“, freute sich Pieper. Der 42-jährige befand sich mit vier weiteren Handbikern seiner Klasse in einer elfköpfigen Gruppe und sprintete zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule zum Sieg. „500 Meter vor dem Ziel war ich noch recht weit hinten. Links haben sich alle getummelt, ich bin rechts raus und an einem nach dem anderen vorbeigefahren. Ich kam mir vor wie auf der Überholspur der Autobahn.“

Vor dem Finale waren aber noch 42 Kilometer zu bewältigen, die nicht nur ein Marathon, sondern auch eine sportliche Sightseeing-Tour entlang den Sehenswürdigkeiten Berlins waren. „Berlin ist ein Erlebnis wert. Auch wegen der Begeisterung der Leute“, so Pieper. Eine Millionen Zuschauer standen nach Veranstalterberichten am Streckenrand Spalier und sorgten schon bei Vorbeifahrt der Handbiker für eine tolle Atmosphäre, da der Hauptlauf nur wenige Minuten später begann. In der Hauptstadt profitierte Pieper auch von schmerzlichen Erfahrungen vorangegangener Wettbewerbe. Als nach einem rasanten Start vor ihm ein Konkurrent ein Loch zu den ersten „C-Fahrern“ reißen ließ, wartete Pieper auf eine Verfolgergruppe, statt auf Biegen und Brechen die Lücke zu schließen. So sparte er, da er auch im Windschatten fahren konnte, die entscheidenden Kräfte fürs Finale. „Ich wollte mir nicht wie in Düsseldorf alleine die Arme blau fahren. Bei uns geht es genauso um Taktik, wie bei einem normalen Radrennen.“

Die Sportart insgesamt erfreut sich großer und wachsender Beliebtheit. So musste in Berlin für die Handbiker eine Teilnehmerbeschränkung von 200 Startern definiert werden. Pieper beobachtet seit langem den sportlichen Fortschritt der Handbiker-Szene: „Meine Zeiten sind in diesem Jahr generell besser geworden. Aber auch die anderen sind schneller unterwegs.“

Mit dem Erfolg in Berlin sind auch Piepers Chancen, seinen dritten Platz in der Gesamtwertung der „Citymarathon-Trophy“ aus dem Vorjahr zu wiederholen, gestiegen. Nach einem mäßigen Start in die sechsteilige Rennserie bei den Marathons in Düsseldorf und Hamburg (Platz sieben und zehn) war dieses Ziel in weite Ferne gerückt, doch mit Platz zwei in Mannheim und dem Sieg in Berlin stehen die Chancen nun wieder gut. Pieper: „Wenn alles optimal läuft, kann ich auch noch weiter nach vorn kommen. Aber darum mach ich mir erstmal keine Gedanken.“

Seine Konzentration gilt den letzten beiden Marathons. Der erste davon steht bereits am Sonntag in Köln auf dem Programm.





Hintergrund: Vorraussetzung für die Teilnahme an einem Handbike-Marathon ist eine körperliche Behinderung, welche das Fahren auf einem normalen Fahrrad unmöglich macht. Die Klasseneinteilung orientiert sich dabei am Lähmungsgrad, da die körperlichen Vorraussetzungen der Handbiker, je nach Art der Behinderung, sehr unterschiedlich sind. Jörg Pieper gehört der Klasse B an.

  • Division C: Fahrer der Division C haben die günstigsten Vorraussetzungen. Ihr gehören Handbiker mit tiefer Lähmungshöhe und Beinamputierte an. Sie können im Knien fahren und haben unter den Handbikern die besten Hebel, da sie, ähnlich wie Ruderer, Arme und Rumpf einsetzen können.

  • Division B: Fahrer der Division B sind im Liegen unterwegs und können neben Schultern und Armen nur einen Teil des Rumpfes unterstützend einsetzen.

  • Division A: Fahrer der Division A, die ebenfalls liegend fahren, sind ab hohen Brustwirbeln querschnittsgelähmt. Bei diesen als „Tetraplegiker“ bezeichneten Menschen ist unter anderem die Funktionalität von Armen und Händen eingeschränkt.
 
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