17.06.2007 - DEUTSCHE MEISTERIN DER U15: JESSIKA ECKHARDT

Hamburg. Jessika Eckhardt wurde am Sonntag in Hamburg Deutsche Schülermeisterin im Straßenrennen und sorgte damit für Riesenjubel beim TV Attendorn. Bei den Titelkämpfen der Nachwuchsklassen im Stadtteil Harburg triumphierte sie in beeindruckender Manier nach 35 km und der Zeit von 01:06:27 h im Sprint des geschlossenen Fahrerfeldes.

Im Rennen der Schülerinnen (U 15), für das sich 50 Fahrerinnen qualifiziert hatten, waren fünf Runden über je 7 km zu absolvieren. Als Einzelstarterin hatte sie es in Hamburg schwer, denn ihre Konkurrentinnen waren zum Teil in Teams organisiert. Wer in Hamburg ein flaches Streckenprofil erwartete, war auf dem Holzweg: Der Kurs enthielt zwei schwere Anstiege mit bis zu 12% Steigung und war damit wie geschaffen für die die Oberelsperin. Durch den starken Regen vom Samstag war die Strecke stark verschmutzt, was viele Stürze verursachte und einige Fahrer zur Aufgabe zwang. Jessika Eckhardt wurde jedoch in keinen der Stürze verwickelt, denn  sie schonte ihre Kräfte nicht im Windschatten des Feldes, sondern fuhr immer an der Spitze mit und diktierte das Tempo. „Ich habe über die fünf Runden die Führungsarbeit übernommen, um mein eigenes Tempo fahren zu können“, erklärte sie. Im Finale, bei dem noch die Hälfte des Feldes Chancen auf den Sieg hatte, stellte sie die Regeln des Radsports weiter auf den Kopf und attackierte von der Spitze des Feldes aus: „Ich sah meine Chance nur darin, am letzten Berg kurz vor dem Ziel wegzusprinten. Das Ziel habe ich dann auch mit knapp zwei Radlängen Vorsprung als erstes erreicht“, so die strahlende Siegerin. Auf den weiteren Plätzen folgten die Badener Lara Tomisch (RSV Edelweiß Achkarren) und Sarah Fischer (RV Concordia Reute). Nach den Siegen bei den Landesverbandsmeisterschaften auf der Straße und im Mountainbike sicherte sie sich damit den dritten und bedeutendsten Titel ihrer Altersklasse in diesem Jahr. Die Freude bei ihrer Familie, die sie komplett nach Hamburg begleitet hatte, war riesig. Ihr Bruder Kevin hatte sogar auf den Start beim MTB-Marathon in Saalhausen verzichtet, um sie in Hamburg unterstützen zu können. Noch vor einer Woche hatte sie Glück im Unglück, als sie bei einem Rennen in Hürth mit Erik Zabels Sohn Rick kollidierte, stürzte und mit einem defekten Vorderrad ausscheiden musste. Der Sturz blieb jedoch ohne bleibende Folgen, denn trotz Schürfwunden und Prellungen konnte sie in der Woche trainieren, während ihre Eltern neues Material organisierten.

Die Entwicklung von Jessika Eckhardt innerhalb des letzten Jahres ist selbst für nüchterne Beobachter nur als sensationell zu beschreiben. Während ihre stärksten Konkurrentinnen in Hamburg schon seit Jahren Lizenzrennen fahren, bestritt Jessika Eckhardt vor Jahresfrist beim MTB-Festival in Saalhausen ihr erstes Rennen in der Fun-Klasse. „Mein Vater und mein Bruder Kevin, der MTB-Rennen fährt, haben mich mit der Begeisterung für diesen Sport angesteckt“, erklärte sie damals. Es folgten einige Siege bei MTB-Rennen in der Hobbyklasse, was sie motivierte für dieses Jahr eine Lizenz zu beantragen. Durch konsequentes und gut geplantes Training konnte sie ihre Leistungen enorm steigern und machte auf ihr Riesentalent aufmerksam, indem sie in der Lizenzklasse auf Anhieb Siege auf der Straße, der Bahn und auf dem Mountainbike errang.

Sogar Sportmediziner Dr. Siegfried Kettmann vom „Medisport“-Institut für Leistungsdiagnostik in Hagen war vom Talent und der Leistung der 13-jährigen beeindruckt. Als sie im Winter dort ihren Leistungstest absolvierte, prophezeite er ihr einen rasanten Aufstieg, denn solch gute Werte habe er bei einer so jungen Fahrerin selten gesehen. Eine bemerkenswerte Diagnose, denn der Leipziger Trainingswissenschaftler betreut immerhin schon seit den siebziger Jahren, damals noch in der DDR, hauptberuflich Radsportler.

Die Realschülerin weiß, bei wem sie sich für die Unterstützung auf dem Weg zum Meistertitel bedanken muss: „Ich möchte mich bei dieser Gelegenheit bei Matthias Rettler bedanken, der mir alles übers Radfahren beibringt und fast täglich mit mir trainiert“, sagte sie nach dem Rennen. Für die Beratung, Auswahl der Rennen und die taktische Schulung ist sie bei der erfahrenen Attendorner Profifahrerin Tanja Hennes in besten Händen, mit der sie ständigen Kontakt hat und an der sie sich als Vorbild orientiert.

Für die kommende Woche hat Jessika Eckhardt bereits ein neues Ziel vor Augen. Dann will sie am Samstag ihr Führungstrikot beim Tune-FRM-Cup in Altenkirchen verteidigen und am Sonntag in Leverkusen zum Angriff auf das Führungstrikot im NRW-Schülercup gehen, das sie letzte Woche nach dem Sturz in Hürth abgeben musste.

 
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