11.05.2005 - Die ohne Sattel startet

Wäre die einzige Rennfahrerin des TV Attendorn eine Indianerin, dürfte sie sich mit Recht nun so nennen. Für „ein bisschen verrückt“ hielt man Simone Berei ja schon lange, nachdem sie im vergangenen Jahr mit dem Mountainbike den Winterberger Eiskanal hinabfahren wollte und beim „Ötztal-Radmarathon“ innerhalb eines Tages die halben Alpen durchquerte. Doch jetzt ist sie auch auf Landesebene bekannt. Bei der Landesverbandsmeisterschaft am Sonntag in Bielefeld ging sie ohne Sattel an den Start – und belegte sensationell Platz sieben.

Das „Malheur“ passierte wenige Minuten vor dem Start: Simone korrigierte die Sattelstellung und „sprengte“ durch zu festes Anziehen der Schraube die Sattelklemme, wodurch der Sattel nicht mehr fest montiert werden konnte. „Ein Ersatzteil war in der Kürze der Zeit nicht aufzutreiben“, erklärt Simone. Hier ist für den normalen Radrenner der Zeitpunkt gekommen, an dem man resigniert, einen Kaffee trinkt und entnervt die Heimreise antritt. Simone nahm kurzerhand Sattelstütze mitsamt Sattel heraus, stellte sich dennoch an den Start, um „nur so zum Spaß“ wenigstens eine Runde im Stehen mitzurollen. Schon hier erhaschte sie zunächst belustigte, später vor allem staunende Blicke und Kommentare. Die Sponsoren dürfte es gefreut haben.

„Als ich am ersten Berg merkte, dass ich gute Beine hatte, bin ich halt weitergefahren und erstaunlicherweise ins Ziel gekommen. Es kam mir wie ein Traum vor!“

Die Attendornerin entwickelte eine eigene Technik, fuhr meistens im „Wiegetritt“ und mogelte sich auf akrobatische Art und Weise um alle Kurven. „Vor allem das Trinken war schwierig.“ Nachahmungsversuche sind nicht zu empfehlen.

Doch Simones Erfolg war nicht nur kurios, sondern auch sportlich wertvoll. Ohne die „Sattelpanne“ wäre wohl auch ein Treppchenplatz möglich gewesen.

Der 5,4 km Kurs, der acht Mal zu umrunden war, hatte es in sich und war aufgrund des selektiven Profils einer Landesmeisterschaft mehr als würdig. Schon kurz nach dem Start war ein 14%iger Anstieg von einem km Länge zu absolvieren, bei dessen Anblick einige Fahrer/innen erst gar nicht an den Start gingen. Das Feld zerfiel folgerichtig im Laufe des Rennens in viele kleine Grüppchen. Simone verwies im Schlusssprint ihre letzte Begleiterin auf Rang Acht. „Im Ziel war ich im wahrsten Sinne des Wortes stehend KO!“

 

Juniorenfahrer Dominik Ivo belegte in Bielefeld nach 65 km Platz neun und machte damit die Qualifikation zur Norddeutschen Meisterschaft in Hamburg perfekt. Beim Sichtungsrennen in Dortmund-Brackel an Christi Himmelfahrt hatte er mit Platz 10 die ersten Punkte zur Qualifikation gesammelt.

 
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