26.07.2004 - Jörg Pieper meldet sich zurück

Attendorn/ Lichtringhausen. Als sich am Sonntag in der Kreuztaler City hunderte Sportler zum „7. Ostheldener Radrennen“ trafen, war es für fast alle von ihnen ein ganz normales Radrennen. Im Leben des querschnittsgelähmten Jörg Pieper vom TV Attendorn war es jedoch ein ganz besonderer Tag. Erstmals seit zwei Jahren nahm er wieder an einem Wettbewerb teil. Damals als C-Elite-Fahrer auf dem Rennrad – jetzt mit dem Handbike.

Im Juli 2002 änderte sich das Leben des Lichtringhauseners  mit einem Schlag: Bei einer Trainingsfahrt durch Herpel kam es zu einem folgenschweren Sturz, als ein Fußgänger plötzlich die Fahrbahn betrat. Jörg konnte nicht mehr richtig ausweichen. Er stürzte, prallte mit dem Rücken gegen einen Blumenkübel und erlitt mehrere Rippenbrüche, einen Schulterbruch sowie Quetschungen der Brust und Lendenwirbelsäule. Die Intensivstation in der Kölner Uniklinik, Reha-Aufenthalte, Kämpfe mit Behörden und Versicherungen prägten sein Leben in den nächsten Monaten. Dazwischen Hoffen und Bangen: Werde ich jemals wieder meine Beine benutzen können? Bis zum heutigen Tag ist Jörg Rollstuhlfahrer, querschnittsgelähmt und vollständig gehbehindert. Andererseits hat er wertvolle und positive Erfahrungen machen können. Er ist stolz auf seine Frau, seine Familie und einen guten Freundeskreis, die ihm jegliche Hilfe und Unterstützung zukommen ließen. Und auch auf die Firma Brockhaus- Mahler GmbH, die ihm einen behindertengerechten Arbeitsplatz einrichtete.

Jörg war und ist immer noch Rennfahrer aus Leidenschaft, eine „Kämpfernatur“ und hat Freude an körperlicher Aktivität. Diese Lebenseinstellung brachte ihn zu neuen Perspektiven: „Wenn man keine guten Beine hat, kann man gute Arme bekommen.“ Schon in der Reha-Klinik kreisten seine Gedanken um das Handbike-Fahren. Spätere Kontaktaufnahme zu anderen Fahrern und der Erwerb eines gebrauchten Hand-Bikes, eine Art handbetriebenes Liege-Dreirad, waren die nächsten Schritte. „Ein Gespür für das andersartige Rollen zu bekommen und sich wieder schnell fortbewegen zu können, war schon faszinierend“. Regelmäßiges Training, über 350 km in den letzten Wochen, auch auf hügeligem Terrain, waren Vorraussetzung für seinen Start in Kreuztal. 10 Runden mit jeweils 1,4 km galt es zu bewältigen. Eine Runde vor Schluss stieg der Attendorner aufgrund des einsetzenden Regens aus. „Man sitzt wie in einer Badewanne. Von überall her wird man nass!“ begründete Jörg. Chancen auf den Sieg hatte der Handbike-Neuling ohnehin nicht, denn die Art seiner Querschnittslähmung bedeutet schon ein Handicap gegenüber den Fahrern, die kniend fahren können: „Die haben ganz andere Hebel, können ganz andere Muskelgruppen einsetzen“. Aber er bleibt ehrgeizig und will weiter trainieren, um demnächst den Köln-Marathon zu bestreiten. 

Neben dem Radsport ist Jörg auch beim Basketball, Tischtennis und Badminton aktiv. Beim Anblick seines muskelbepackten Oberkörpers glaubt man es sofort.

 
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