22.07.2004 - Markus Rademacher und Addi Schmidlin bei Transalp 2004

20 000 Höhenmeter - 800 km - 30 Fahrstunden – 18 Pässe – 7 Tage – 3 Länder- 2 Fahrer – eine Schinderei…So könnte man die Transalp 2004 aus Sicht der der Attendorner TV-Radsportler Addi Schmidlin und Markus Rademacher in Kurzform zusammenfassen.

Während die Radprofis alljährlich bei der Tour de France unendliche Strapazen auf sich nehmen, stellen sich auch Amateure einer „Tour der Leiden“ in verkürzter Form. 825 Starter in 425 Zweier-Teams, darunter auch die beiden TV-Rennsportler sowie Andreas Claren und Michael Wulf,  zwei Marathon-Läufer vom selben Verein waren in diesem Jahr dabei.

Markus und Addi hatten im letzten Jahr, in der die Tour erstmalig stattfand,  Platz 12 erreicht und strebten dieses Mal einen Platz unter den Top 10 an…

 

  1. Tag

Sonntag, 27. Juni 2004
Oberammergau – Ischgl, 141.7 Kilometer, 2.514 Höhenmeter 

Im großen Teilnehmerfeld blieben zunächst alle Fahrer ca. 60 km zusammen, bevor am Aufstieg zum Hahntennjoch das große Feld auseinander fiel. Auf 1884 m Höhe war das Schlimmste überstanden. Abwärts ging es über Reutte ins Paznauntal nach Ischgl. 2 km vor dem Ziel musste Addi bei heftigen Krämpfen die Zähne zusammenbeißen, die Folge von der zu spät angelegten zweiten Verpflegungsstelle. Platz 20 war ein gutes Ergebnis für den ersten Tag. In Ischgl angekommen, ließen ein üppiges Pasta-Essen, Massage, technischer Service für das Rad und ein BMX-Showprogramm die Regeneration gelingen.

  1. Tag

Montag, 28. Juni 2004
Ischgl – Sölden, 118,9 Kilometer, 2.504 Höhenmeter

Um 7.00 Uhr morgens hieß es Taschen für den Transport abgeben, reichhaltig frühstücken und für den Start um 9 Uhr vorbereiten. Im ersten Startblock durften die beiden Attendorner aufgrund ihrer guten Platzierung dabei sein. Sonne und Wind waren annehmbare Bedingungen auf den Strecken durchs Kaunertal und Ötztal. In Sölden zog man zur Übernachtung wieder eine Pension dem Massenlager vor, denn 8 Stunden ruhiger Schlaf  sollten  während einer solch strapaziösen Woche schon gewährleistet sein.

  1. Tag

      Dienstag, 29. Juni 2004
      Sölden – Brixen, 124,9 Kilometer, 3.217 Höhenmeter

      Ausgerechnet am anstrengendsten Tag der Tour hatte Addi seinen „Durchhänger“,

      den wohl mehr oder weniger alle nicht akklimatisierten Sportler im Laufe der Woche

erlebten. Markus half ihm über dieses Tief hinweg, indem er ihn nach Erlaubnis des Reglements  den Anstieg hinauf häufiger anschob. So blieb der Anschluss an die Spitzengruppe gewahrt. Über das Timmelsjoch, mit 2509 m der höchste Punkt der Tour, fuhr die Gruppe bei 8-10%tiger Steigung an 3m hohen Schneewänden vorbei, einem regelrechten Naturkühlschrank. In Italien sicherte eine Polizeieskorte die 20 km lange Abfahrt bis St. Leonhard. Noch einmal brannten die Oberschenkel beim Aufstieg zum Jaufenpass (2100m), bevor es auf einem flachen Stück dem Ziel  Brixen zuging. Ein unvergessliches Erlebnis blieb für alle die Pasta-Party am Abend, open air auf dem Marktplatz der Altstadt, bei sommerlichen Temperaturen  von fast 30° C.

 

 

 

  1. Tag

      Mittwoch, 30. Juni 2004                                                         
      Brixen – St. Vigil, 91,7 Kilometer, 3.175 Höhenmeter

Es war zwar die kürzeste Tagesetappe, aber sie wies einige pikante Steilstücke am  Furkelpass auf, bis zu 19%, so dass nicht wenige Fahrer vom Rad mussten und schoben. Auch die Abfahrt verlangte hohes fahrerisches Können ; 15 Stürze zeugten von dem hohen Schwierigkeitsgrad. Selbst die bisherigen Spitzenreiter des Gesamtklassements blieben nicht davon verschont. Addi und Markus konnten heute vier Plätze gutmachen.

  1. Tag

Donnerstag, 1. Juli 2004
St. Vigil – Wolkenstein (Val Gardena), 123,3 Kilometer, 3.584 Höhenmeter

Der Tag begann für einige Radsportler mit einem Schock: in der Nacht waren in einer Unterkunft sämtliche Rennräder gestohlen worden. Die Attendorner Fahrer waren von diesem Unglück verschont geblieben Start und Ziel waren an diesem Tag zwar nur 20 km voneinander entfernt, aber die Veranstalter hatten einen „kleinen Umweg“ über den Valparola-Pass rund um die Sella-Gruppe in den Dolomiten festgelegt. Auch der Passo Giau musste erklommen werden. Besser rollte es heute auf jeden Fall für Addi, der wieder lockere Beine hatte. Auf der rasanten 18 % tigen Abfahrt waren die Fliehkräfte wohl zu groß: Speichenbruch!! Ein Fortsetzen der Fahrt wäre lebensgefährlich gewesen. Es blieb nichts anderes übrig, als auf den neutralen Materialwagen zu warten, der allerdings hinter dem gesamten Fahrerfeld fuhr. Das bedeutete eine Unterbrechung von 55 Minuten und kostete 18 Plätze in der Gesamtwertung. Aus der Traum von einem Platz unter den Top-Ten?!

6.  Tag
 

Freitag, 2. Juli 2004
Wolkenstein – Levico Terme, 132,5 Kilometer, 2.884 Höhenmeter

Nach dem guten Wetter der letzten Etappen fing es heute mit einem Regenstart an. Gleich zu Beginn ging es hinauf zum Sella-Joch (2244 m). Die Tagesstrecke entsprach zum Teil der Strecke des Giro d`Italia und stellte hohe Anforderungen, die aber bei guter Kräfteeinteilung ohne größere Probleme gemeistert wurden. Der Passo Menghen war eine weitere Herausforderung, bevor es auf dem flachen Streckenrest ins Ziel ging. 5 Plätze konnten Markus und Addi wieder gutmachen.

 

  1. Tag

Samstag, 3. Juli 2004
Levico Terme – Garda, 112,5 Kilometer, 2.367 Höhenmeter

Letzter Tag des Rennens. Das bedeutete, noch einmal voll konzentriert  auf Angriff zu fahren. Es ging hinauf auf den Monte Baldo, das Bergmassiv entlang, mit Blick auf das Ziel, schon lange Zeit vor der Ankunft: den Gardasee. Nach 30 Stunden und 22 Minuten Fahrzeit, einer Durchschnittsgeschwindigkeit  von 27,6 km/h  und einem Tagesschnitt von 30 km/h ist „finito“. Als Lohn gibt es erstmal ein Bad im Gardasee, eine riesige Pastaparty und das befriedigendes Gefühl: „ Du hast deine Grenzen ausgetestet und einen Wettkampf unter hervorragenden Bedingungen durchführen können“ ( Originalton Addi ). Dass 55 Minuten Fahrzeit weniger Platz 8 in der Männerklasse bedeutet hätten, spielt eine untergeordnete Rolle…

 
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